Funktionsjacke 4.0 – Den anderen einen Schritt voraus

Posted on 09 Juni 2017

For this article I switch into the German mode.

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Ein Jacke zu designen macht man als Blogger nicht jeden Tag und die Freude war umso größer, als ich die Benachrichtigung bekam, dass ich mit 11 anderen Bloggern am ersten SympatexHackathon teilnehmen darf. Kurze Erklärung zu dem Wort Hackathon, für diejenigen, die es noch nicht gehört haben. Dies ist ein Begriff auf der Softwareentwicklung und bezeichnet eine kollaborative Entwicklungsveranstaltung, bei der es das Ziel ist gemeinsam ein nützliches und kreatives Produkt herzustellen und Lösungen für Probleme zu finden. Schauplatz des SympatexHackathon’s war die schöne Mittenwalder Hütte im Karwendelgebirge und eingeladen hatte die Firma Sympatex Technologies und das Outdoor Blogger Network.

Sympatex, ein Hersteller für umweltfreundlicher, atmungsaktive, wind- und wasserdichte Laminate, wollte gemeinsam mit uns, dem Designer Joe Stocker und dem Extrembergsteiger und Greenpeace-Aktivisten David Bacci  eine nachhaltige und klimaneutrale Jacke designen, die “Funktionsjacke 4.0“.

Eine Jacke frei von Giftstoffen, hergestellt aus recycelten PET-Flaschen (27 an der Zahl), nicht gefärbt sondern schonend bedruckt, in Deutschland hergestellt und am Ende wieder zu 100% recyclebar.

 


Wir treffen uns an einem sonnigen Donnerstag morgen am Parkplatz der Karwendelbahn in Mittenwald. So langsam treffen alle Teilnehmer ein und begrüßen sich.  Schließlich kommt das team von Sympatex auch an der Karwendelbahn an. Unter ihnen auf der CEO Dr. Rüdiger Fox, der Chef persönlich. Nach ein paar Begrüßungsworten werden wir von der Bergschule Vivalpin mit Klettergurten, Helmen und Klettersteigsets ausgestattet. Aufgeteilt in zwei Gruppen begeben wir uns auf den Weg zur Mittenwalder Hütte. Die einen laufend und die anderen auf dem eigens durch die Bergführer angelegten Klettersteig.
Auf der Hütte angekommen, legen wir die Ausrüstung ab und werden von dem Hüttenwirt Bernhard Kriner und seiner Frau freundlich begrüßt. Nach einem Erfrischungsgetränk nehmen wir eine zünftige Brotzeit zu uns und beziehen danach die Schlaflager.

 

 

Die Arbeit ruft – Workshop 1

Nach einem kurzen Sonnenbad geht die Arbeit los. Dr. Rüdiger Fox begrüßt uns nochmal und erklärt uns noch einige Punkte zu dem Projekt. Das er persönlich an dem Hackathon teilnimmt, hat uns gezeigt, wie wichtig dieses Projekt für ihn und Sympatex ist, da er selber 3-facher Vater ist und seinen Kindern eine unversehrte Natur hinterlassen will. Wir sind die erste Generation die über den Klimawandel informiert ist und auch etwas aktiv dagegen machen kann. Nachhaltigkeit ist uns ein Anliegen. Sicherlich geht eine Produktion einer Jacke nicht ganz ohne CO2-Emission, jedoch kann man hier auch Abhilfe mit Ausgleichsprojekten machen. Mit der Hilfe von ClimatePartner lässt sich Sympatex zertifizieren und legt offen, wieviel Co2 produziert wird und was dafür als Ausgleich getan wird. Ein weiteres Ziel ist auch eine komplette Nachverfolgung des Stoffes bis hin zur recycelten PET Flasche.

Im weiteren Teil des Workshops stellen wir nach einem kurzen Gespräch unseren Sitznachbar vor und erarbeiten in kleinen Gruppen, in welcher Branche noch sehr auch Nachhaltigkeit geachtet wird (Elektroauto, Ökostrom, Tiny Houses, lokale Lebensmittel, Ökostrom etc.). Anschließend wurden diese Ergebnisse den anderen Gruppen vorgetragen.

 

Was wird benötigt, was nicht – Workshop 2

Nach einem Stück Kuchen ging es nun ans eingemachte. Wie soll die “Funktionsjacke 4.0″ aussehen und welche Features sollte sie haben. Dadurch, das so viele Leute aus verschiedenen Bereichen Zusammen kamen, wurde sehr produktiv diskutiert, was man braucht oder nicht. Ein Extrembergsteiger wie David Bacci und ein Bergführer haben natürlich andere Ansprüche an die Jacke wie zum Beispiel ein Trailrunner. Hier nun ein paar Ideen die in den Gruppen auf den Tisch kamen:

  • Leicht zu bedienende und helmtaugliche Kapuze
  • Belüftungsschlitze unter den Armen Ja oder Nein? Oder Belüftung über Taschen mit Netzinnenfutter
  • Wie viel Taschen braucht man und wo sollen diese angebracht sein
  • Verschließbarkeit der Ärmelabschlüsse mittels stabilem Klett
  • Schnitttechnik im Bereich der Arme
  • leicht versetzter Reisverschluss
  • gut laufender Reisverschluss, der einfach zu bedienen ist.
  • Tasche in der das Handy nicht durch Schweiß anläuft
  • Sichtfenster für Sportuhren im Ärmel

Die kreavtiven Köpfe sind am rauchen und nach einem ausgiebigen und leckeren Abendessen genießen wir den Sonnenuntergang bei einem herrlichen Bergpanorama und tragen den anderen Gruppen vor, was wir in unserer Workshop Einheit erarbeitet haben, ehe der Abend mit einem gemütlichen Hüttenabend seinen wohlverdienten Ausklang findet und wir die nötige Bett schwere haben.

 

Die Finale Planung – Workshop 3

Der Finale Tag steht bevor und die Hüttenwirte legen sich wieder mächtig ins Zeug, damit wir wohl gestärkt nach dem Frühstück die letzte Workshop Phase starten können. Wir bilden drei Gruppen in denen nun eine Design-, Performance- und Nachhaltigkeitsstrategie festgelegt wird, um letztendlich die “Funktionsjacke 4.0″ zu designen.

Das Grundgerüst der Jacke bildet eine klimaneutral hergestellte, 100% recycelte Sympatex Membran. Für die Herstellung werden 27 PET Flaschen benötigt und die Membran ist komplett hydrophil, zudem 100% wasserdicht und Windlicht und extrem atmungsaktiv. Mit 5µm die weltweit dünnste Membran die verarbeitet wird und es wird ein hoher Tragekomfort durch 300% Dehnbarkeit erreicht. Natürlich ist die Membran komplett PTFE und PFC frei.

Im vergleich zu 1kg herkömmlich hergestellte Faser aus Erdöl hat man bei der recycelten Faser eine 32%ige CO2 Reduktion, 60% Energieeinsparung und 94% Wassereinsparung und hat eine top Ökobilanz. 
Design

Wichtigste Punkte beim Design für die finale Jacke sind eine helmtaugliche Kapuze, und eine Smartphone taugliche Brusttasche (ohne Kondenswasser). Des weiteren sollen die übrigen Taschen so ausgelegt werden, dass sie geräumig sind und Kletter- und Hüftgurt tauglich sind. Die Ärmel sollen etwas Länger geschnitten sein, damit der Handrücken besser geschützt ist und eine Unterarmbelüftung soll so angeordnet sein, dass man den Reiser einfach bedienen kann.

 

 

Funktion und Performance

Das die Meinungen bei einigen Features jedoch sehr auseinandergehen, ob man dieses Detail braucht oder nicht, kommen wir zur Idee einer Modularen Jacke. Das heißt ich kann beim Bestellender Jacke individuell auswählen, welches feature ich gerne hätte oder nicht, den ein Extrembergsteiger hat ja auch andere Anforderungen als ein normaler Wanderer oder Radfahrer. Um diese etwas zu vereinfachen wurde auch noch angedacht, einer jeweiligen Sportart vorkonfigurierte Jacken zusammenzustellen.

 

 

Nachhaltigkeit

Wichtigster Punkt beim Thema Nachhaltigkeit ist die Transparenz. Der Kunde soll mittels einer ID den kompletten Herstellungszyklus der Jacke nachvollziehen können. Je weniger Schilder in der Jacke um so besser und die Verpackung soll auf das Nötigste reduziert werden. Alles wichtige Details können auch in die Jacke gedruckt werden. Es wird auch angeregt ein kleines Video mit Pflegehinweisen auf die Webseite closingtheloop.de zu stellen, da die Pflege einer Membranjacke für einige eine hohe Wissenschaft für sich ist. Sogar wäre es möglich eine Probe eines umweltverträglichen Waschmittels für den ersten Waschgang der Jacke beizulegen.

Letztendlich ist es der Kunde der entscheidet, was er für eine Jacke kauft, aber wenn man ihm mit einem guten einfach erklärten Konzept klar machen kann, warum Sympatex diese Jacke herstellt, ist man auf einem sehr gute Weg Schritt für Schritt PTFE und PFC aus unseren Membranjacken zu verbannen und dieses möchte ich auch gerne in Zukunft unterstützen.

 

Nach diesem letzten Speed Brainstorming versammeln wir uns noch einmal für eine letzte Besprechung vor der Hütte und es werden die Plakate präsentiert. Basierend auf diesen Ideen und Konzepten hat Sympatex und Joe Stocker vier Wochen Zeit, die “Funktionsjacke 4.0″ bis zur Messe zu entwerfen. Die ganze Gruppe ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis und kann es kaum erwarten das Ergebnis auf der Messe zu sehen.

 

Nach dem Mittagessen packen wir unsere Rucksäcke für den Abstieg. Auf diesem bekommen wir noch von zwei Naturführern eine naturkundliche Führung, bestimmen Pflanzen, schauen uns die kleinen Lebewesen am Boden unter einer Lupe an und bekommen nützliche Informationen über den Artenreichtum der Alpen. Diese Führung hat einen denkwürdigen Abschluss. Auf einer Fläche von ca 10qm breitet einer der Naturführer seine komplette Ausrüstung und Kleidung, die er bis auf die Unterhose ausgezogen hat, aus. 10qm bedeckt von Plastik und chemisch behandelter Kleidung, sodass die Pflanzen und Tiere darunter nicht atmen können. Wenn dies jeder Bürger in Deutschland machen würde, wäre das Karwendel mit Plastikkleidung bedeckt.

 

Nach dieser beeindruckenden Vorführung erreichen wir vor dem regen und trockenen Fusses den Parkplatz der Karwendelbahn, wo wir uns verabschieden und jeder seinen Weg nach Hause antritt.

 

Let’s close the textile loop together!!!

 

Hier noch die Berichte der anderen Bloggerkollegen:

Matschbar - Ein Stück Natur für unsere Kinder
St. Bergweh - Sympatex: das bessere Gore-Tex?
Jäger der Berge - Die weltweit erste klimaneutrale Funktionsjacke
Lebedraußen - Industrie vs. Verbraucher: Wer bestimmt was gekauft wird?
Wanderwütig - Die Funktionsjacke der Zukunft
Wanderwütig - Die erste klimaneutrale Membran
Ich liebe Berge -  Entwicklung einer neuen Jacke – 1. Sympatex Hackathon
Beuteltiere -  Was ich vom #SympatexHackathon mitgenommen habe
Zhangschmidt - Youtube Videos zum Hackathon

 

 

 

Disclaimer:
Ich wurde durch das Outdoor Blogger Network zu dem SympatexHackathon eingeladen. Neben einer Reisekostenpauschale, habe ich eine Aufwandsentschädigung bekommen, um auf meinem Blog über diese Veranstaltung zu berichten. Der Inhalt dieses Artikels spiegelt ausdrücklich meine Ansichten wider.

 


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